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Corpsleben

Es gibt einfach klingende, aber durchaus schwierig zu beantwortende Fragen, die man einem Corpsstudenten stellen kann, wie zum Beispiel: „Was macht Ihr denn so?”, und im weiteren Verlauf dann: „Warum macht Ihr das?”. Eine summarische Antwort darauf wäre: „Ein Corps ist ein Teil eines Mikrokosmos, in dem sich diejenigen bewegen, die das wollen und können”. Schnoddriger verkündete ein Alter Herr Cisarias einst, dass Corps Probleme lösen, die es nicht gäbe, wenn Corps' nicht existieren würden. Weiter unten soll dies ausgeführt werden.

Das Corpshaus

Zentrum des Corpslebens bei Cisaria ist unser Corpshaus in der Münzstraße schräg vis-a-vis dem Hofbräuhaus. Weil es so wichtig für uns ist, hat es auch einen eigenen Artikel verdient.

Die Corpsaktivitäten findet überwiegend auf dem Corpshaus statt. Das Corpsleben ist auch an den Semesterrhythmus der Universitäten gekoppelt: Während der Semester herrscht Aktivität, während der Semesterferien dagegen ist, was das Offizielle angeht, „Pause”, was jedoch nicht heißt, daß zwei Monate lang die Lichter aus wären. Die Corpsmitglieder sind an den jeweiligen Aktivitäten des Corps auch unterschiedlich beteiligt: Während für die „Aktiven” - die Studenten - die meisten Corpsoffizialitäten verbindlich sind (Präsenzpflicht), können die „Alten Herren”, auch „Philister” genannt, daran teilnehmen, müssen aber nicht.

Wiederkehrende Veranstaltungen

Das offiziell-förmliche Corpsleben Cisarias setzt sich aus drei Hauptkomponenten zusammen, nämlich der Conventsarbeit, den Veranstaltungen und dem Fechten. Auf den Corps-Conventen (CC's) regeln und formen die „Aktiven”, also die studentischen Mitglieder Cisarias, die laufenden Angelegenheiten. Der CC tagt etwa einmal wöchentlich abends, ihm voran geht meist ein gemeinsames Abendessen, und der CC kann bis lang in die Nacht dauern. U. a. beschließt und organisiert der CC das Semesterprogramm, dessen Veranstaltungen verschiedenster Natur sein können und von Tanzkränzchen über Bälle, Vorträge und Parties bis zu Segeln oder Baggerfahrten in der Kiesgrube reichen. Auch Veranstaltungen finden etwa wöchentlich statt.

Was wir sonst so machen

Und neben dem offiziellen Corpsleben gibt es natürlich das, was es überall sonst auch gibt: Al gusto gemeinsames Studieren, Lernen und gemeinsame Urlaube, Freundschaften und gelegentlich das Gegenteil davon, kurz: normales Leben, öfters Highlights und seltener Tiefpunkte. Ein Corpsspezifikum ist jenseits der Corps dagegen eher selten zu finden: der selbstverständliche, zwanglose und vertrauensvolle Kontakt über die Generationen hinweg, mag dieser Kontakt fünf oder 50 Jahre überbrücken. Das corpsbrüderliche „Du” geht so: Der 20-jährige Student begrüßt den 75-Jährigen mit „Grüß' Dich, Alter Herr Huber”. Das ist gut so. Wenn er dessen Frau dann allerdings im Überschwang mit „Grüß' Dich, Alte Frau Huber” begrüßt, ist das nicht so gut. Auf den Veranstaltungen lernen die Corpsbrüder sich kennen und können daraus das machen, was sie möchten.

Vetternwirtschaft?

Das gängige Vorurteil lautet, daß auch die letzte Krücke noch wohlbestallt unterkommt. Es kommt aus einer Zeit, in der Akademiker - und mithin auch die Corpsstudenten - fast automatisch leitende und einflußreiche Positionen hatten. Schon dies hat sich aber mit der Akademikerschaft als „Massenware” geändert: Nur die wenigeren hätten überhaupt die „Macht” und Möglichkeit, Spezlwirtschaft zu betreiben. Schon aus diesem Grund ist der Vorwurf der Vetternwirtschaft nicht mehr gerechtfertigt, aus einem anderen Grund aber auch: Selbst wenn die Möglichkeit theoretisch gegeben ist, kann es sich heute praktisch kein Mensch mehr leisten, Krücken anstelle eines oder einer Vernünftigen einzustellen oder zu empfehlen. Dazu sind die Konkurrenz zu dicht und die soziale Kontrolle zu stark: Ein unfähiger Protegierter hinterläßt häßliche Flecken auf der Weste seines Mentors. Häufig geht es andersherum: Ein vernünftiger oder gar guter Absolvent kann sich am Ende seines Studiums nicht über den Mangel wohlwollender Fingerzeige und interessanter Angebote aus den Generationen über ihm - auch aus anderen Corps - beklagen. Corpsstudenten haben sicherlich einen Informationsvorsprung hinsichtlich der ihnen offen stehenden Möglichkeiten. Der Autor dieses Textes hat seinen heutigen freien Beruf inspiriert durch einen 20 Jahre älteren Corpsbruder gewählt, steht heute allerdings in Konkurrenz zu ihm, wir werben um die gleiche Kundschaft.

Zeiteinsatz

Das Corpsleben ist fordernd und fördernd zugleich: Convente und Veranstaltungen wollen erledigt und organisiert sein. Dies alleine schon kostet Zeit, dazu kommt das Fechten, und das alles neben dem ganz normalen Studium. Wenn man es ordentlich macht, ist „Abhängen” eher die Ausnahme als die Regel. Gelernt hat man dann aber auch etwas: nicht nur Elektrotechnik oder Jura oder Medizin, sondern auch die sog. „soft skills”, die das Leben und Navigieren in der heutigen Gesellschaft erleichtern. Und obendrauf auf all dies Intellektuell-Nützliche gibt es Freundschaften, die sich für das Leben formen.

Fazit

Aufgrund ihrer formalen Verfassung, der darin transportierten Inhalte und der sich so ergebenden personellen Zusammensetzung sind Corps wie Cisaria heute eine der idealen „Schulen für's Leben”. Der junge Student hat unkomplizierten und vertrauensvollen Zugriff auf Informationen über die Generationen hinweg, er kann Sekundärtugenden trainieren wie Teamfähigkeit, Zuverlässigkeit, Konsequenz, Gremienarbeit, Organisations- und Kommunikationsfähigkeit, er erfährt die Chance hinter dem Kalauer „Seine Freunde kann man sich aussuchen, seine Corpsbrüder nicht”, und er erfährt dies alles in einem Ambiente, in dem Fehler zwar nicht erwünscht sind, aber doch zumindest verziehen werden. Cisaria ist eine der wertvollen Schulen und Chancen fürs Leben.